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Eine katholische Pfarrei hebräischer Sprache des lateinischen Ritus!

Die Kehila

Nizzas Halloun: Christen, die hebräisch beten

Am Sonntagabend ist die Kapelle der Pfarrei St. Simeon und St. Anna in Jerusalem immer gut besucht. Die Worte des ‘Vater unser’ erklingen auf Hebräisch. Wir befinden uns in der Pfarrei der hebräisch sprechenden Christen von Jerusalem. Viele sind zur heiligen Messen gekommen und begrüßen David Neuhaus. Er ist der Leiter des Vikariats St. Jakob, der Gemeinschaft der Katholiken hebräischer Sprache im Lateinischen Patriarchat.

Die älteste kehila – so die hebräische Bezeichnung für Gemeinde – entstand im Jahre 1945 in Jaffa. Sie war für katholische Christen gegründet worden, die sich unter den jüdischen Einwanderern befanden. Im Zusammenhang der Gründung des Staates Israel 1948 kamen damals innerhalb von zehn Jahren zwei Millionen Juden nach Israel. Unter ihnen befanden sich ‘gemischte’ Ehepaare, erklärt Pater David Neuhaus. „Manche von ihnen waren im vollen Sinn Juden, nur dass sie zum katholischen Glauben konvertiert waren.“

In den fünfziger Jahren entstanden weitere Gemeinden. „Der Priester von Jaffa betreute in den sechziger Jahren mehr als 3.000 Christen“, erinnert sich Pater Neuhaus.

Die Gründungsglieder dieser kehilot – so lautet der Plural – kamen hauptsächlich aus zwei Gruppen. Einerseits waren es zionistische Juden, die zum katholischen Glauben konvertiert waren, anderseits aber auch Neuankömmlinge, die Christen waren und die nach der Shoah in Israel in Solidarität mit dem jüdischen Volke leben wollten.

Hebräische Liturgie

Eines der ersten Anliegen für diese Christen, die inmitten der israelischen Gesellschaft lebten, die Hebräisch sprachen und bemüht waren, ihren Glauben in dieser Sprache zu praktizieren, war, einen Platz innerhalb der katholischen Kirche des Heiligen Landes zu finden. Dabei waren natürlich die Anpassung der Liturgie und die Katechese an die hebräische Sprache ganz wesentlich. „Die Übersetzung und die Schaffung einer adäquaten, aber gegenüber der katholischen Tradition auch treuen Sprache war gewiss fundamental;“ unterstreicht Pater Neuhaus, „aber es war auch wichtig, eine Sprache zu finden, die die Beziehung des Christentums zum Judentum erkennen ließ.“

Heute besteht der Kern der christlichen Gemeinde hebräischer Sprache aus etwa 800 Personen, die sich auf sechs kehilot verteilen, die sich in Jerusalem Beer Scheva, Jaffa, Haifa, Nazaret und Tiberias befinden. Jede Gemeinde hat ihre spezifische Gestalt und vereint entsprechend dem Ort Gläubige verschiedenen Typs.

Sie spiegeln die Vielfalt der israelischen Gesellschaft wieder. Zu ihren Gliedern zählen Russen, Polen, Rumänen und Palästinenser mit israelischer Staatsbürgerschaft. Dazu kommen noch etwa 60.000 eingewanderte Arbeiter (Philippiner, Inder und Afrikaner) und christliche Asylbewerber. Ein Großteil von ihnen lebt in Tel-Aviv und versammelt sich im dortigen Zentrum Notre-Dame-Femme-de Valeur. Zum Vergleich: christliche Staatsbürger gibt es etwa 160.000 in Israel. Etwa drei Viertel davon sind Palästinenser mit seit 1948 israelischer Staatsbürgerschaft und ungefähr 40.000 sind Christen jüdischer Abstammung, deren größter Teil aber der russischen Orthodoxie zuzuordnen ist.

Der Pfarrer der hebräisch sprechenden Gemeinde von Jerusalem ist ein Franco-Libanese. Am Ende der Messe erklärt Pater Raffic Nara die Besonderheiten und die gegenwärtige Situation seiner Pfarrei: “Seit einigen Jahren suchen wir auch die Verbindung mit den anderen lokalen katholischen Gemeinden. Es ist wichtig, dass wir mit den anderen Kirchen verbunden sind. Die sozialen und politischen Fragen, die immer gegenwärtig sind, dürfen uns nicht daran hindern, eins zu sein.“

Mit den Migranten

Am Anfang bestand die Jerusalemer Pfarrei aus Juden, die zum Katholizismus konvertiert waren, und aus Emigranten aus der ehemaligen Sowjet-Union. Heute hat sich die Situation allerdings etwas geändert. Zur Pfarrei gehören jetzt viele christliche Einwanderer aus den verschiedensten Ländern. Viele kamen als Gastarbeiter, andere sind Flüchtlinge. „In einer Stadt wie Jerusalem, wo die Religion stark zurückgeht“ erklärt Pater Raffic, „zeigt die Gemeinde ein sehr buntes, vielfältiges Gesicht. Wichtig ist, die Dinge nicht durcheinander zu bringen. Unsere Kirche hier ist keine ‘judenchristliche’ Gemeinde, es handelt sich vielmehr um eine katholische Pfarrei hebräischer Sprache des lateinischen Ritus.“

„Das Leben eines Christen in der jüdisch-israelischen Gesellschaft“ unterstreicht P. Raffic, „muss sich mit der Frage auseinandersetzen, wie sich der christliche Glaube mit dem Judentum vereinen lässt. Die verantwortlichen Priester müssen diesem Problem, vor allem im Hinblick auf die Jugend, besondere Aufmerksamkeit widmen. Die Kirche muss die besonderen Verhältnisse hier beachten. Es gibt wohl keinen anderen Ort auf der Welt, wo die Christen innerhalb einer jüdischen Mehrheit eine kleine Minderheit bilden.“

Eine große Wende für unsere Gemeinde in den letzten Jahren bedeutete der Zuzug vieler christlicher Gastarbeiter. Sie sind inzwischen ein fester Teil unserer Gemeinden. Es ist bemerkenswert, dass ihre Zahl inzwischen größer ist als die der lateinischen arabischen Christen des Landes. „Seit eineinhalb Jahren geben diese christlichen Einwanderer unserer Gemeinde ein neues Gesicht. Das ist ein neues Phänomen, dessen ganze Bedeutung wir noch nicht erfasst haben.“

„Viele jüdische Israelis, aber auch andere einheimische und ausländische Christen kommen und besuchen unsere Pfarrei. Der israelische Besucher begrüßt es natürlich, dass unsere Gebete in seiner Sprache gesprochen werden, dass wir sie beginnen mit dem jüdischen Segen ‘baroukh ata adonai’. Wir singen in einer Weise, die ihm vertraut ist und wir benützen im Grunde die gleichen Bücher. Das ist keine Form des Proselytentums. Wir haben eine eigene Tradition, die wir bewahren wollen. Wir halten an unserer Identität fest, wir wollen eine lokale Kirche sein, die Christus bezeugt.“

Regina Canetti, 92 Jahre alt, ist eine Schwester von Notre-Dame de Sion. Sie ist seit der Gründung Mitglied unserer hebräischen Pfarrgemeinde von Jerusalem. Sie erzählt auf Französisch mit zarter Stimme, wie sie hier mit ihrer Familie aus Bulgarien ankam, nachdem sie von dort vertrieben worden waren. Ihre Mutter und ihr Bruder seien auf der Flucht gestorben. Bald nach ihrer Ankunft hier habe sie konvertiert und sei Ordensschwester geworden. Über ihre Geschichte habe sie ein Buch geschrieben: ‚Tochter Sion.‘ „Die ‘kehila’ hat sich seit ihrer Gründung sehr geändert“ erzählt sie, „vor allem in den letzten Jahren. Sie hat sich sehr der Realität des Landes gegenüber geöffnet. Am Anfang waren wir nur eine ganze kleine Schar. Die Philippiner, die Eritreer, die Afrikaner und die anderen Immigranten haben unsere Pfarrei wachsen lassen. Diese Gruppe der Immigranten wurde bisher wegen der sprachlichen und politischen Grenze sehr vernachlässigt.“

Auch wenn nun die Gemeinde nicht mehr in der Mehrzahl aus Konvertiten besteht, so fühlt sich Regina immer noch mit dieser hebräischen Gemeinde von Jerusalem sehr verbunden. „Diese Kirche ist natürlich meine Pfarrei. Ich bin eine Konvertitin, aber ich bleibe dennoch vollkommen jüdisch und zugleich vollkommen christlich. Ich fühle mich mit diesen Leuten hier verbunden, als eine Christin jüdischen und israelischen Ursprungs.“

Eine Brücke zwischen den Gemeinden

Zur hebräischen Pfarrei von Jerusalem zählt auch Benedetto Di Bitonto. Er entdeckte die Gemeinde während seines Doktoratsstudiums in der hebräischen modernen Literatur. „Als ich hier ankam, wurde mir bewusst, dass dies die Form des Katholizismus ist, die mir am besten zusagt.“

Beni, wie er hier genannt wird, verwendete zwölf Jahre darauf, Hebräisch zu lernen, die hebräische Literatur, das Judentum und die jüdisch-christlichen Beziehungen zu studieren. „Eine Kirche wie diese zu finden, war für mich eine große Entdeckung. Als ich hier ankam“ erzählt er, „kannte ich die Situation dieser lokalen Kirche nicht. Ich lernte sie kennen, indem ich mit ihr und in der hiesigen Realität lebte, Tag für Tag, wie ich es auch heute noch tue.“

Für Beni ist aber auch wichtig, dass sich die katholischen Gemeinden arabischer und der hebräischer Sprache gegenseitig näher kommen. „Es ist notwendig, noch größere Anstrengungen und noch mehr guten Willen zu investieren, um den palästinensischen Christen und den Christen der israelischen Gesellschaft ihre Einheit bewusst zu machen. Auf den anderen Seite, hat“ so fährt Bendi fort, „die hebräische Gemeinde auch die Berufung, nicht nur eine Brücke zwischen Christen und Juden zu sein, sondern auch zwischen dem Mittleren Orient und der israelischen Gesellschaft.“

Diese Pfarreien sind die einzigen katholischen Gemeinden auf der Welt, in denen hebräisch gebetet wird. Sie bilden mit dem Judentum ein gemeinsames Feld und sind eine christliche Herausforderung innerhalb der jüdischen Gesellschaft.

Ein Mikrokosmos

In der Wüste des Negeb befindet sich die Stadt Beer Scheva. Mit etwa 200.000 Einwohnern ist sie die siebtgrößte Stadt Israels. In dieser Stadt gibt es nur eine einzige katholische Kirche. Die Pfarrei ist nach Abraham benannt: Haus Abrahams.

Pater Piotre Zelasko, ein Pole, ist Pfarrer dieser Gemeinde. „Verschiedene Gruppen besuchen unser Haus: Russen, Polen, Inder, Philippiner, konvertierte Juden und Muslime, Palästinenser aus dem Norden Israels. Jede Gruppe feiert die Messe in ihrer Sprache“ berichtet Pater Zelasko. „Alle zwei Wochen findet z. B. eine syro-malabrische Messe statt und eine andere in Arabisch. Aber es gibt auch Zelebrationen in Hebräisch. Wir wollen, dass jeder seine christliche Tradition wahrt, aber alle in Christus eins sind.“ Die Pfarrgemeinde von Beer Scheva vereint also in ihrer Vielfalt alle Aspekte der israelischen Gesellschaft. Pater Piotr Zelasko erklärt, dass die Stadt im Gegensatz zu Jerusalem ruhig sei. „Aber wir reden nicht über Politik, sondern beten fest für den Frieden.“
Die Pfarrei lebt im Rhythmus der Stadt und ist Teil der örtlichen Bevölkerung. Die Nachbarschaft weiß, obwohl das Gebäude nicht einer Kirche gleicht, dass es eine Kapelle ist. Und wenn Pater Zelasko durch die Straßen der Stadt geht, wird er von manchen mit einem Shalom padre! gegrüßt.

Die geographische Lage in der Wüste hat sicher Einfluss auf die kehila. Ihr Name ist ‘Haus Abrahams’. „Wir betrachten Abraham wie einen, der in seinem Zelt in der Wüste wartet, ohne zu wissen, wer ihn zu besuchen kommt. Im Neuen Testament sagt man, dass Abraham Gott selbst als Gast empfangen habe, ohne es zu wissen. Es ist wahr, unsere Gemeinde ist sehr seltsam, aber ihre Glieder fühlen sich doch verbunden. Ich hoffe, dass diese Verbindungen sich noch verstärken, so dass wir eine Familie werden, die für jeden, der neu dazukommt, offen ist.“

Daniel, ein Nigerianer, lebt seit 11 Jahren in Israel und gehört zur Gemeinde von Beer Scheva. „Seitdem die Priester Messen in den verschiedenen Sprachen ermöglichen, hat sich die Situation hier sehr verbessert“ bemerkt Daniel auf Englisch. „Unsere Gemeinde wird größer. Ich kann an der Messe in Hebräisch teilnehmen, auch wenn ich die Sprache nicht verstehe. Das hindert mich nicht, mit dem Herzen mitzubeten.“

Shireen stammt aus dem nördlichen Israel, aus dem Dorf Koufr Yassif, nicht weit von Akko entfernt. „Wir sind sehr froh, dass unsere Kinder hier in Beer Scheva den Katechismus lernen können. Das hat uns sehr geholfen, denn unsere Kinder sind Christen und kennen ihren Glauben.“ Diese palästinensischen Eltern, die israelische Staatsbürger sind, sind in christlichen Gemeinden Galiläas groß geworden und ihre Muttersprache ist arabisch, die sie natürlich besser beherrschen als das Hebräische. Doch ihre Kinder wachsen in israelischen Städten auf und besuchen jüdische Schulen. „Ich persönlich“ sagt Shiren auf Arabisch, „kann zwar das ‘Vater unser’ nicht auf Hebräisch. Für unsere Kinder aber ist es eine sehr gute Sache, in einer hebräischen christlichen Gemeinde zu sein. Dieses Ort ist wirklich wie für sie gemacht. Wir kommen jeden Sonntag hierher. Die Fest- und Feiertage begehen wir daheim im Norden mit den Großeltern und dem Rest der Familie.“

Aseek gehört zur Gruppe der Jungen in der Pfarrei. „Die Christen in Beer Scheva sind in der Minderheit. Seitdem ich hierher komme, fühle ich mich in einem guten Sinn anders. Ich habe das Gefühl der Zugehörigkeit. Ich lerne die Geschichte meiner Religion und wo ich sie lebe.“ „Für mich,“ fügt Saja, ein junges Mädchen mit blauen Augen, hinzu, „ich spüre sehr stark, dass dies hier mein zweites Haus ist.“ „Alle unsere Familien leben in Dörfern im Norden Israels“, ergänzt Salma, ein anderes Mädchen der Gruppe, „aber Piotre ist wie unser Onkel. Er ist immer für uns da und die Pfarrei von Beer Scheva ist unser kleines Dorf hier.“

Die Übersetzung aus ‘La Terre Sainte’, Nr. 638 (2015) besorgte P. Raynald Wagner.
Der Text ist auch im Menu unter downloads als pdf zu finden.