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„Eine Kirche, die in sich ruhte, beginge Verrat“

Der Jesuitenpater David Neuhaus legt sein Amt als Patriarchalvikar nieder und zieht eine erste Bilanz. Von Andrea Krogmann

Acht Jahre stand der Jesuitenpater David Neuhaus (55) als Patriarchalvikar an der Spitze der hebräischsprachigen Katholiken in Israel und leitete die Migrantenseelsorge. Mitte August trat er von seinem Amt zurück. Im Interview der Tagespost zieht der Jesuit mit südafrikanisch-jüdischen Wurzeln Bilanz.

Pater Neuhaus, Ihr Engagement in der hebräischsprachigen Gemeinde geht weiter zurück als Ihre Ernennung zum Patriarchalvikar im Jahr 2009…

Ich war zwölf Jahre in Vollzeit in der Gemeinde tätig, die sich in zwei Abschnitte gliedern: 2005 bis 2008 als Assistent des damals ernannten Patriarchalvikars Pierbattista Pizzaballa. Im September 2008 ernannte Patriarch Fouad Twal mich zum Koordinator der hebräischsprachigen Gemeinde und im März 2009 zum Patriarchalvikar. Ein Jahr später übernahm ich zusätzlich die Verantwortung für die Migrantenpastoral, ein Amt, das bis dahin nicht existierte.

In welchem Zustand haben Sie 2005 die Gemeinde übernommen?

Das Amt des Patriarchalvikars für die hebräischsprachigen Katholiken wurde 1990 eingerichtet, 2003 definierte der Heilige Stuhl seinen Sonderstatus. Mit mir war erstmals eine Person in Vollzeit für die Gemeinde beschäftigt, die zu der Zeit nicht sehr lebendig war. Patriarchalvikar Pizzaballa und ich haben begonnen, einen Pastoralplan zu entwickeln und eine größere öffentliche Präsenz zu schaffen, etwa durch die Internetseite, Veröffentlichungen, einer Organisation der Priester, um dem Vikariat eine solidere Identität zu verleihen. Pizzaballa als Kustos war in dieser Zeit sehr beschäftigt, sodass viel von den Anstrengungen auf mir lagen.

Mit der Amtsübernahme 2008/09 tauchte ich völlig in diese Vollzeitmission. Mir war es wichtig, Leben in das Vikariat zu bringen und Strukturen zu errichten, die es vorher nicht gab. Dazu zählen eine Kinder- und Jugendpastoral, Familienpastoral, Lehrtätigkeiten, um die Reflexionen der Gemeinde und der Priester zu stimulieren, die Suche nach neuen Priestern, eine Erneuerung der Pfarreistrukturen, um den Ort attraktiv zu gestalten. Es umfasst auch ein Hinausgehen in die öffentliche kirchliche Arena wie in die israelische Gesellschaft.

Das klingt nach viel Gestaltungsraum. Welche Aspekte waren Ihnen dabei besonders wichtig?

Ein wesentlicher Aspekt ist die starke Einbindung im Entdecken der Wirklichkeiten von Migranten in der israelischen Gesellschaft. In meinem Verständnis ist es die Vision von Papst Franziskus für Kirche überall, die Ränder zu integrieren. Diese Ränder sind riesig in Israel. Wir sprechen über enorme Zahlen im Vergleich zur kleinen hebräischsprachigen, aber auch zur arabischsprachigen Gemeinde. Dies ist über die Jahre ein integraler Teil unserer Identität geworden. Ein zweiter Aspekt: Meine Vorgänger haben dem Bedürfnis der Kirche nach Einheit wenig Beachtung geschenkt. Damit meine ich nicht die Ökumene, sondern die Einheit über die politischen Spaltungen hinweg.

In welchem Sinne?

Wir müssen deutlich mehr Bewusstsein haben für die Frage, wer die palästinensischen Christen sind. Es geht um den Versuch, Beziehungen aufzubauen, am Leben der Ortskirche teilzuhaben und sich einzubringen. Die palästinensischen Christen müssen umgekehrt Bewusstsein entwickeln dafür, wer wir sind. Hier gab es in meiner Zeit eine Veränderung. Es gab weniger Spannungen als früher. Auch wenn es Krisen gab, haben wir versucht, sie im Dialog zu lösen. Als dritter Patriarchalvikar in diesem Amt fühlte ich mich vollständig in das Patriarchat integriert. Ein zweites Anliegen betrifft einen vereinten Pastoralplan für die Migranten.

Welche Veränderungen hat es in Ihrer Zeit in Bezug auf die Migrantenpastoral gegeben?

Vorher wurde die Migrantenpastoral ausschließlich unter dem Aspekt der Sakramentenspendung durch ausländische Kleriker betrachtet. Das ist nicht mein Konzept von Pastoral. So wichtig die Sakramente in der Pastoral sind, ist es bei weitem nicht der einzige Aspekt. Die Geistlichen sprechen weder die Sprache noch kennen sie die Kultur. Sie haben ein Gefühl für ihre jeweilige Gemeinde, aber nicht für die Ortskirche. Sie decken das sehr wesentliche Bedürfnis ab, eine nostalgische Verbindung in die Heimatländer zu sein, in der Sprache zu beten und der Kultur zu essen. Aber sie haben keine Vorstellung von zwei Dingen, die wesentlich sind für eine Pastoral würdig ihres Namens: zum einen eine Katechese für die Kinder, die hier geboren sind, Bildung für sie und ihre Eltern, um mit den hiesigen Realitäten umgehen zu können. Die Gemeinde braucht die Nostalgie, aber gleichzeitig braucht sie eine Reflexion ihrer hiesigen Realität im Leben der Kirche. Das können die Geistlichen ohne Anleitung der Ortskirche nicht leisten.

Zweitens gab es keinerlei Programm für Migranten als Randgruppe. Eine soziale Hilfestellung für eine Gemeinschaft, die zu den bedürftigsten überhaupt zählt, fehlte völlig. Hier haben die hebräischsprachigen Katholiken die Vorreiterrolle übernommen. So sind über die Jahre unzählige Programme zum Wohl der Migranten entstanden, einschließlich Lobbyarbeit für ihre Rechte und Interessen, Angebote zur Kinderbetreuung, Schulhilfe. Diese Arbeit kam nicht von den Geistlichen der Migrantengemeinden.

Und sie kam auch nicht von den einheimischen palästinensische Christen…

Absolut nicht. Was wir mit einigem Erfolg geschafft haben ist es, die palästinensischen Christen zu sensibilisieren, dass sie nicht die einzige leidende Gruppe in diesem Land sind, dass es Migrantengemeinden in großer Not gibt. Diese Solidarität ist sehr wichtig. Die Unwissenheit ist im Übrigen gegenseitig. Palästinensische Christen wissen nichts über die Migranten und umgekehrt.

Mir war es immer wichtig, dies ins Bewusstsein zu rufen. Ein kleiner Schritt in diese Richtung war etwa, entsprechende Gebete für die anderen in die Fürbitten zu integrieren und so zu sensibilisieren.

Welche Projekte aus Ihrer Zeit würden Sie als besonders wichtig hervorheben?

Zwei Projekte, die viel Energie, Geld und Sensibilisierungarbeit gebunden haben, sind das „Our Lady Woman of Valor“-Zentrum in Tel Aviv und das St. Rachel-Zentrum in Jerusalem. Hier sieht man die Kirche als Einheit zusammenkommen, jenseits von Grenzen der jeweiligen Seelsorgegruppe. Diese Zentren sind nicht für eine bestimmte Gruppe, sondern katholische Zentren im Dienst der Migranten. Die verschiedenen Migrantengruppen haben nicht dieselbe Kultur und sprechen nicht dieselbe Sprache, aber sie sitzen in denselben Problemen, aus denen ihnen diese Zentren helfen wollen. Ihre Kinder sterben, ihre Kinder scheitern in der Schule, werden kriminell, sie werden ausgebeutet, krank vom Leben auf der Straße. Das alles ist nicht im Blick einer Sakramentenpastoral. Es ist die Hilfestellung der Kirche als Kirche für die Menschen am Rand. So soll Kirche sein und ich hoffe, dass dies ein neues Modell für diese Ortskirche geworden ist!

Das heißt, was Sie in die Hände Ihres Nachfolgers legen, ist eine Gemeinde, die einen ganzen Schritt weiter ist als zu Ihren Anfangszeiten?Natürlich. Ich hatte zwölf Jahre Zeit, und in dieser Zeit sind einige wesentliche Dinge passiert, die uns eine Weiterentwicklung erlaubt haben. So wurden etwa Statuten entwickelt und 2013 umgesetzt. Sie definieren Jurisdiktion und Aufgaben des Vikariats. Die Jurisdiktion umfasst Katholiken, die im hebräischsprachigen, israelisch-jüdischen Milieu leben. Nach meiner Interpretation ist das nicht nur die kleine hebräischsprachige Gemeinde, sondern auch die Migrantengemeinde.

Wie würden Sie diese beiden Säulen des Vikariats beschreiben?

Zunächst: Mir ist über die Jahre deutlich geworden, dass meine beiden Aufgaben nicht zwei verschiedene sind, sondern eine, auch wenn sie offiziell unterschieden werden. Die Trennung ist für mich in meiner Arbeit künstlich geworden. Gleichzeitig müssen die Unterschiede gesehen werden. Die hebräischsprachige Gemeinde besteht zum größten Teil aus israelischen Staatsbürgern. Die Probleme, die wir hier haben, sind andere als die der Migranten und Asylsuchenden, die am Rand der israelischen Gesellschaft stehen und von denen die große Mehrheit keinen dauerhaften Status in Israel hat. Es gibt folglich zwei Wirklichkeiten in der einen pastoralen Vision einer Kirche, die in dieser konkreten Gesellschaft funktioniert – wie in jedem Land. Wenn wir Programme entwickeln, denken wir an die Gemeinschaft als Ganze in der einen Realität – der israelischen Gesellschaft.

Wie war und ist das Verhältnis zu dieser Gesellschaft?

Feinabstimmungen mit der israelischen Zivilgesellschaft zu finden war in jeder Hinsicht ein wichtiges Ziel für mich. Um mit dem Leben unserer Gläubigen in Berührung zu sein, müssen wir integraler Bestandteil der Gesellschaft sein, in der sie leben und den positivsten Kräften in dieser Gesellschaft die Hand reichen, um präsent zu sein, in unzähligen Belangen. Wenn unsere Jungen in der Armee dienen, müssen wir wissen, was in der Armee vorgeht. Wir haben Dutzende katholische Gefangene, deshalb müssen wir das Gefängnissystem kennen. Oder „Our Lady Woman of Valor“: Hier ist eine Kirche entstanden in der Mitte einer Gesellschaft, die nie eine Kirche gesehen hat. Also habe ich als erstes alle NGOs kontaktiert, die mit Migranten arbeiten, mit allen verschiedenen Aspekten, damit wir effektiv sein können. Es herrscht eine unglaubliche Offenheit in der israelischen Zivilgesellschaft – dort, wo es gemeinsame Interessen gibt. Eine weitere traditionelle Aufgabe der hebräischsprachigen Gemeinde, die sehr wichtig geworden ist, ist die Bildung der israelischen Gesellschaft zum Thema Christentum.

Gerade für Migranten verschärft sich die Lage. Wo liegen die größten Herausforderungen für Ihren Nachfolger?

Ich will keine Entwicklungen vorhersagen. Ich ziehe mich zurück, will ich erschöpft bin. Ich halte es für gesund für die Gemeinde, wenn jemand neues kommt, mit neuer Energie und Visionen, vielleicht mit anderen Prioritäten. Wir haben versucht, eine Kirche aufzubauen, die in Solidarität ist mit den Ärmsten der Armen. Das war einer der Aspekte, die mich als Konvertiten zur katholischen Kirche gezogen haben. Das ist die Kirche, wie sie sich in Franziskus zeigt, in Johannes Paul II., in Benedikt XVI. auf seine eigene Weise. Eine Kirche, die in sich ruhte, beginge Verrat an den Gläubigen.

Quelle: Tagespost 8.9.2017