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Ein Elsässischer Jude wird Ordensgründer im Heiligen Land

Egger: Alphons Ratisbonne 1

Ain Karem am westlichen Stadtrand von Jerusalem gelegen, ist bei den Pilgern durch die beiden Heiligtümer der Geburtsstätte Johannes des Täufers und der Heimsuchung Mariens bekannt. Auf der gegenüberliegenden Talseite des sog. ‚Visitationsheiligtums‘ liegt auf dem höchsten Platz des Hügels das Kloster der Zionsschwestern, dessen Ordensgründer Alphons von Ratisbonne ist. Auf dem Gottesacker liegt er dort begraben. Auf seinem Grabstein steht nichts als ‚Père Marie‘. Er hat sich das so gewünscht. Gedeutet hat er diese zwei Worte in seinem Testament:

„Das erste Wort sagt, dass ich ein verlorener Sohn war, der zum Vater heimfand, das zweite Wort aber spricht von der Barmherzigkeit Mariens gegen mich.“

Wir wollen dem äusserst spannenden Leben dieses Pioniers im Heiligen Land in dieser Artikelreihe ein wenig nachgehen.

Kindheit und Jugend

Alphons von Ratisbonne wurde in einer reichen, jüdischen Familie am 1. Mai 1814 in Strassburg, Frankreich geboren. Bereits sein Grossvater war nicht unberühmt, ja die Zeitgenossen nannten seinen Namen mit Achtung. Er war wohl der einzige Jude, der unter Ludwig XVI. nicht nur das Recht erlangte, Eigentum in Strassburg zu erwerben, sondern sogar den Adelstitel zu führen.

Alphons war das 10. Kind der Familie von Ratisbonne. Sein Vater August gehörte zu einer Generation von Juden, bei denen der Glaube keine besondere Rolle spielte. Obwohl er eigentlich Vorsitzender des Ältestenrates war, liess er sich in Strasbourg nur selten in der Synagoge blicken. Die Kinder wurden nicht im israelitischen Glauben, aber doch in der jüdischen Tradition erzogen. Alphons verlor seine Mutter bereits im 4. Lebensjahr.

1825 kam Alfons an die höhere Schule. Darüber schreibt er selbst in seinen Aufzeichnungen:

„Meine Studien begann ich im königlichen Gymnasium zu Strassburg, wo ich aber leider grössere Fortschritte in der Verderbnis des Herzens als im Studium der Wissenschaften machte.“

In dieser Zeit traf die Familie von Ratisbonne ein harter Schlag. Der älteste Sohn Theodor konvertierte zum Christentum und wurde sogar römisch-katholischer Priester. Er wirkte in seiner Heimatstadt, zum Leid seiner Familie. Darüber schrieb der junge Alphons:

„Mein Bruder übte sogar sein priesterliches Amt in seiner Geburtsstadt aus unter den Augen meiner untröstlichen Familie. So jung ich auch war, war ich durch diesen Schritt meines Bruders im Innersten empört und von Hass gegen sein Priestergewand und seinen Charakter erfüllt….Trotzdem liebte er uns noch. Sein Kleid war mir zuwider, seine Gegenwart unausstehlich, seine ernste Sprache erregte meinen Zorn…Später dachte ich nicht mehr an ihn, während er für mich betete….“

Weiter berichtet er in seinen Aufzeichnungen:

„Im Umgang mit zwar christlich getauften, aber ebenso lauen Jünglingen wie ich aufgewachsen, hatte ich bisher weder Sympathie für das Christentum noch Antipathie dagegen empfunden, aber die Konversion meines Bruders, die ich als eine unerklärliche Verrücktheit betrachtete, liess mich an Fanatismus der Katholiken glauben und dagegen eine grosse Abscheu empfinden.“

Ein Jahr, nachdem sein Vater gestorben war, es war 1831, schloss er erfolgreich seine Abiturprüfung ab. Onkel Louis von Ratisbonne, der kinderlos war, war ihm wie ein zweiter Vater. Er nahm sich ganz seiner an. Alphons konnte in Paris Jus studieren und wurde Advokat. Hier bekam er eine gute Grundlage für das Bankgeschäft seines reichen Onkels. Dieser tat auch alles, um seinen Neffen dafür zu gewinnen. In seinen Aufzeichnungen bemerkt er:

„Er (der Onkel) liess mir alle Freiheit. Ich dachte, man sei auf der Welt, um sie zu geniessen…Auf dem Papier war ich Jude, aber ich glaubte nicht einmal an Gott.“

Verlobung und erste Regungen des Glaubens

Schliesslich verlobte sich Alphons mit seiner Nichte Flora, einer Tochter seines älteren Bruders Adolph. Dies war ganz im Sinne seiner Familie. Die Verlobung fand in Nizza statt. Seine Braut war damals erst 16 Jahre alt. Wegen ihres jugendlichen Alters fand man es in der Familie angebracht, die Vermählung noch ein wenig aufzuschieben. Ratisbonne sagt über sie:

„In der Ablehnung allen Glaubens war ich mit all meinen Freunden einig; doch der Anblick meiner Braut weckte etwas in mir, das mich an die Unsterblichkeit der Seele glauben liess; mehr noch, ich begann instinktiv, zu Gott zu beten; ich dankte ihm für mein Glück, und doch war ich nicht glücklich.“

Nach der Verlobung brach er am Anfang des Jahres 1842 zu einer Kreuzfahrt von Marseille nach Neapel auf. Von dort aus sollte die Vergnügungsreise nach Sizilien und weiter nach Malta führen. Er hatte nämlich wegen seiner angeschlagenen Gesundheit vor, den Winter in Malta zu verbringen.

Erste Berührung mit dem Katholizismus in Rom

Ganz gegen seine ursprünglichen Pläne machte er noch einen Abstecher nach Rom. Am 8. Januar traf er dort ein. In der ewigen Stadt begegnete er zufällig seinem Strassburger Schulkameraden Gustav de Bussièrre und dessen Bruder Theodor. Dieser war vom Protestantismus zu Katholizismus übergetreten. Mit diesem liess sich Ratisbonne auf ein hitziges Streitgespräch über den Glauben ein. Hier kam auch wieder sein Hass gegen die katholische Kirche zum Ausdruck. Am Ende dieses heftigen Streitgesprächs kam Bussière mit einer ganz eigenartigen Bitte an den Juden Ratisbonne heran. Dabei meinte er, er möge ihm doch einen Gefallen tun und versuchsweise die ‚Wundertätige Medaille‘1 bei sich zu tragen und dabei morgens und abends das sog. ‚Memorare‘, das Gebet des hl. Bernhard von Clairvaux zu sprechen:

„Gedenke, o gütigste Jungfrau Maria: Es ist noch nie gehört worden, dass jemand, der zu dir seine Zuflucht genommen, deine Hilfe angerufen, um deine Fürsprache gefleht hat, von dir verlassen worden sei. Von solchem Vertrauen beseelt, nehme ich zu dir meine Zuflucht, Mutter, Jungfrau der Jungfrauen. Zu dir komme ich, vor dir stehe ich seufzend als sündiger Mensch. Mutter des ewigen Wortes, verschmähe meine Worte nicht, sondern höre mich gnädig an und erhöre mich. Amen.“

Ratisbonne spotte zuerst über diese lächerliche Bitte, dennoch versprach er, sie zu erfüllen. Boussière drückte ihm das Gebet in die Hand und bat ihn, es wenigstens mitzunehmen und so gut zu sein, für ihn eine Abschrift zu machen, da er kein zweites Exemplar besass. Als er ins Hotel zurückgekehrt war, begann er tatsächlich dieses Gebet abzuschreiben…

Am 20. Januar 1842 betrat Ratisbonne ein Café an der Piazza Spagna. Dort traf er Bussière wieder. Dieser lud ihn dann zu einer Kutschenfahrt durch Rom ein. Ratisbonne nahm dieses Angebot mit Freuden an. Es war so etwas wie der letzte Gang durch die heilige Stadt, denn er wollte ja nach Neapel aufbrechen. Während der Fahrt sagte Bussière, er müsste bei der Kirche St. Andrea del Fratte ein paar Minuten anhalten. Alphons bat seinen Landsmann, ihn doch mitzunehmen, um das Gotteshaus anzuschauen.

Der Besuch dieser Kirche wurde für ihn zur Gnadenstunde.

(Fortsetzung in der nächsten Nummer)

P. Gottfried Egger OFM schreibt einen interessanten Bericht über das Leben von Fr. Mary – Alphonse Ratisbonne. Dieser besteht aus vier Teilen und ist zu finden in der Zeitschrift „Im Land des Herrn“ – „Franziskanische Zeitschrift für das Heilige Land“ 69. Jahrgang 2015 Heft 4 und 70. Jahrgang 2016 Heft 1, 2 und 3.
Freundlicherweise hat P. Raynald Wagner der Chefredakteur uns die Texte zur Verfügung gestellt. Selbstverständlich bleiben alle Rechte beim „Kommissariat des Hl. Landes, München“.