Tag: 30. November 2016

Normal und anders

Vom Genetiker Markus Hengstschläger stammt das Buch Die Durchschnittsfalle. Gene  Talente – Chancen:1 Die Mittelmäßigkeit ist der Liebling der Österreicher. Das führt unser Land in eine evolutionäre Sackgasse. „Der Durchschnitt hat noch nie etwas Innovatives geleistet. Da schwärmt ein Vater: ‚Mein Sohn ist so problemlos, ist noch nie negativ aufgefallen.‘ Aber auch positives Auffallen ist nicht erwünscht. Das wäre nämlich Stress. Die Gesellschaft arbeitet immer auf den Durchschnitt hin. Wie soll etwa eine Durchschnittsnote entscheiden, ob jemand ein guter Arzt wird? Der statistische Durchschnitt bringt nicht weiter und ist nicht zukunftstauglich. Eine repressive Egalität blendet das konkrete antlitzhafte Du mit der konkreten Wirklichkeit von Leid, Angst, Unterdrückung und Tod aber aus. Individualität hat keine Chance. Was ist bei einem statistischen Durchschnitt mit dem konkreten Gesicht, mit dem Antlitz, mit dem Namen? Was mit der Zärtlichkeit und mit dem Eros, was mit der Schönheit, was mit dem Beten? Sind Zahlen arbeitslos? Haben Statistiken Probleme? Sterben Zahlen an Krankheiten? In der Sache geht es um das Talent oder auch Charisma, also um das individuelle, besondere Wissen, Können …

Nazareth ist überall

Der Gottsucher, Beter und Mystiker Charles de Foucauld starb vor hundert Jahren. Er ist wie ein Leuchtturm, der Christen gerade heute Orientierung geben kann. Im Winter 1916 war der Erste Weltkrieg am Hauptkriegsschauplatz in Frankreich längst zum Stellungskrieg geworden. In den berüchtigten Materialschlachten verbluteten Hunderttausende auf beiden Seiten der Front. Ständig war man hüben und drüben dem Geschosshagel der anderen Seite ausgesetzt, ein sinnloses Sterben. In der Sahara durchstreiften währenddessen einige Tuareg-Stämme das Land. Sie plünderten, vertrieben Fremde. Ähnlich wie die Kurden sind auch die Tuareg ein unruhiges Volk ohne eigenen Staat. So kam es, dass am 1. Dezember 1916 mitten in der Sahara ein 58-jähriger Franzosen namens Charles de Foucauld überfallen und erschossen wurde. Eine Gewehrkugel traf ihn hinter dem rechten Ohr und durchschlug seinen Kopf bis zum linken Auge. Bruder Karl – wie er im deutschsprachigen Raum gern genannt wird – war sofort tot. Die Haltung, in der er den Tod fand, war ihm vertraut: Man hatte seine Hände an die Fußknöchel gebunden. Unzählige Stunden hatte der Gottsucher in vergleichbarer Haltung – anbetend …