Alle Artikel in: Gedanken

Ausführliche Gedanken zu liturgischen Festen, oder anderen Ereignissen. Teilweise Weiterleitungen auf Seiten mit permanenten Beiträgen.

Unsere Adventreise 2019-2

Die Zweite und Dritte Adventwoche mahnen uns, einige Zeit in der “Wildnis” zu verbringen und auf die Weisheit Johannes des Täufers zu achten. An beiden Sonntagen spricht wieder Deuterojesaja, ein Prophet des Babylonischen Exils; jetzt in den Evangelientexten, und er deutet damit beide Botschaften wesentlich. Aus Jesaja 40 das Bild des Evangeliums von der Berufung des Johannes: “Eine Stimme ruft in der Wüste: Bereitet dem Herrn den Weg!” Ist diese Wüste vielleicht ein anderes Symbol für die Dunkelheit unserer Ersten Woche? Wie geleitet uns der Täufer da hindurch? Beide Evangelisten, Markus und Johannes, betonen die Demut dieses Mannes, der so offen Den anerkennt und verkündet, der nach ihm kommen wird, dessen Sandalenriemen zu öffnen er unwürdig ist. Um diese zentrale Botschaft herum werden Markus und Johannes für uns eine Begegnung mit Johannes dem Täufer entfalten. Am Zweiten Sonntag zeichnet Markus ein lebendiges Bild eines kühnen Bußpropheten, der die Vergebung sucht. Sein Aufruf ist unglaublich! Markus ruft uns auf, uns der Menge “von ganz Judäa, die zu ihm hinauszogen” anzuschließen. Wie kommen wir zu dieser Begegnung? …

Unsere Adventsreise 2019-1

Jedes Jahr, ob im Messzyklus A mit Matthäus, oder B mit Markus, oder C mit Lukas: das Evangelium des Ersten Adventsonntags tut alles in seiner Macht, um uns aufzurütteln – “Wacht auf! Seid achtsam! Seid bereit! Seid euch bewusst! Bleibt wach! Passt auf! Wacht auf!” Die Dringlichkeit dieser Worte erinnert mich an drei Erfahrungen: die “Tzeva Adom – Warnstufe Rot” die wöchentliche Sirene, die den Beginn des Sabbats anzeigt, und an den Ruf des Muezzins zum Gebet in jeder Morgendämmerung – jede bringt uns zu einer anderen Lebensqualität, wenigstens kurzfristig. Und so auch das Evangelium des Ersten Adventsonntags! Haben wir uns schon so daran gewöhnt, dass wir für seine Einladung in eine neue Erfahrung taub sind? Sind wir so mit andern Dingen zugedeckt, dass wir die Einladung, die uns geboten wird, gar nicht merken? In der Liturgie dieses Ersten Adventsonntags stehen wir im Dunkeln, an der Schwelle eines neuen Augenblicks in der Zeit. Was ist diese Dunkelheit für uns – welche Unzufriedenheit, Enttäuschung, Entmutigung, Bedrängnis, oder sogar welches Sehnen – verformt jetzt die Sehnsucht in …

Sukkot

Die Wurzel des Wortes “Sukkot” bedeutet Bedecken, Behüten, Vorläufiges. Das Wichtigste daran ist also das Dach aus Blättern. Eine Sukka ist eine Bude oder eine Hütte. Sie wurde verwendet, um die Herden zu beherbergen (Gen 33,17), oder um sie während der Ernte auf den Feldern vor der Hitze (Is 1,8) oder der brennenden Sonne zu schützen (Jona 4,5). Wahrscheinlich kam der Name des Festes von seiner landwirtschaftlichen Herkunft, dem Fest des Einsammelns (hag ha-asif), als die Bauern sich am Ende des Sommers, wenn die Sonne noch heiß brennt, auf den Feldern schützen mussten. Später wurde er dann mit dem Auszug aus Ägypten verknüpft, wie wir in Lev 23, 42-43 lesen können: Ihr sollt sieben Tage lang in Hütten leben. Alle Bürger Israels sollen in Hütten leben, damit eure Generationen wissen, dass ich das Volk Israel in Hütten leben ließ, als ich sie aus dem Land Ägypten herausführte. Wie kamen die Autoren der Bibel auf diesen Zusammenhang, denn in der Wüste haben sie ja offenkundig in Zelten, nicht in Hütten gewohnt? Die Jüdische Mündliche Überlieferung findet …

Jom Kippur

Der Versöhnungstag am 10.Tischri Das jüdische Neujahrsfest führt unmittelbar hinein in die zehn Bußtage, die schließlich in den Versöhnungstag, Jom Kippur, einmünden und darin ihren Höhepunkt finden. Die Bibel erzählt in Levitikus 16, wie dieser Tag zu der Zeit gefeiert wurde, da der Tempel in Jerusalem noch bestand. Seit der Zerstörung des Tempels im Jahre 70 n. kommt der persönlichen Buße – und das heißt, vor allem dem Fasten – eine Bedeutung zu, die der des Opfers im Tempel entspricht. Dieses Fasten ist in einem absoluten Sinne zu verstehen: während des gesamten Versöhnungstages, vom Vorabend bis zum nächsten Abend, wird nichts gegessen und getrunken. Jom Kippur ist der Tag der Versöhnung zwischen den Menschen und Gott – nicht zwischen den Menschen untereinander. Letzteres nimmt vielmehr den Platz in den vorausgegangenen Bußtagen ein: während dieser Zeit ist der Einzelne dazu aufgefordert, sich mit den Mitmenschen zu versöhnen; wenn er dies nicht wenigstens versucht hat, wird ihm auch an Jom Kippur die Vergebung der Sünden gegen den Nächsten nicht geschenkt. Im Gegensatz zu anderen jüdischen Festen ist Jom Kippur ein Tag, der …

Rosh ha-Schanah – jüdisches Neujahr

Rosch ha-Schanah der „Kopf des Jahres“ Am 1. und 2. Tischri, dem 7. Monat des jüdischen Jahres, ist das wichtigste Neumondfest. Mit ihm beginnt die jüdische Kalenderzählung ab der Erschaffung der Welt. Der folgende Text wurde von Sr. Katherine Wolff NDS für eine deutsche Kirchenzeitung verfasst. „Mögest du eingeschrieben sein im Buch des Lebens!“ So begrüßen Juden einander am Neujahrstag. Gleichzeitig reichen viele Väter ihrer Familie ein in Honig getauchtes Stück Apfel mit dem Wunsch für ein gutes und süßes Jahr. Rosch ha-Schanah, Neujahr, ist der erste der Hohen Feiertage und mündet ein in die Feier von Jom Kippur, den Versöhnungstag. Diese beiden Feste sind die einzigen im jüdischen Jahr, die nicht an Ereignisse in der jüdischen Geschichte erinnern. Sie befassen sich vielmehr mit Dingen, die die Menschheit insgesamt betreffen, und das jüdische Volk feiert diese sozusagen im Namen aller Menschen. Rosch ha-Schanah – damit wird übrigens nur bedingt der Beginn eines neuen Jahres gefeiert, denn das liturgische Jahr beginnt im Frühling mit dem „ersten Monat“ – ist ein Fest voller verschiedener Bedeutungen. Der Reichtum …

Palmsonntag 2019

“Als er in Jerusalem einzog, geriet die ganze Stadt in Aufregung, und man fragte: Wer ist das? Die Leute sagten: Das ist der Prophet Jesus von Nazareth in Galiläa.” Mt 21, 10-11. Sicherlich kommt das oft vor, dass die ganze Stadt in Aufregung versetzt wird, ist doch Jerusalem das Symbol der Macht und der Tempel das Symbol wer Herr im Haus ist in Jerusalem. Es hält sich auch Herodes in der Stadt auf und auch Pilatus, um während der Feiertage jedes Anzeichnen von Aufstand nieder zu machen. In diesem Jerusalem wagte Jesus das Symbol zu setzten, dass der König auf einem Esel einreitet, nicht mit Pferden die die unterdrückende Macht symbolisieren. Sagt der Tochter Zion: Siehe, dein König kommt zu dir. Er ist friedfertig, und er reitet auf einer Eselin und auf einem Fohlen, dem Jungen eines Lasttiers. Jes 62,11; Sach 9,9 Wie muss doch dieses Symbol bei Herodes und auch bei den Römern verstanden worden sein? Bekamen sie Angst, jemand macht ihnen die Herrschaft streitig? Geriet deshalb die Stadt in Aufregung und die Leute …

Das Kreuz ohne Furcht tragen

In dem nachstehenden Gespräch erklärt der koptische Bischof Thomas, warum die Idee des Märtyrertums viele Antworten für das Leben im 21. Jahrhundert bietet. © Albin Hillert/ÖRK Von Katja Buck* Die brutalen Angriffe auf zwei Kirchen in Alexandria und Tanta am Palmsonntag mit mehr als 40 Opfern sind nicht die ersten Anschläge auf Menschen christlichen Glaubens in Ägypten. Im Januar hat der so genannte Islamische Staat koptischen Christinnen und Christen den Krieg erklärt und acht von ihnen ermordet. Im Dezember 2016 wurden bei einer Explosion in einer koptischen Kirche in Kairo 30 Menschen getötet. Wie soll man mit dieser konstanten Bedrohung umgehen? Und was soll man dem Hass entgegensetzen, der zwischen der christlichen und muslimischen Glaubensgemeinschaft wächst? Die koptische Kirche hat darauf seit 2000 Jahren eine Antwort: das Märtyrertum, eine in den meisten Teilen der Welt längst vergessene Idee. In dem nachstehenden Gespräch erklärt der koptische Bischof Thomas, warum dieses Konzept des Märtyrertums auch im 21. Jahrhundert noch viele Antworten bereit hält. Das Thema Märtyrertum wurde im Februar 2015 wieder aktuell, als 21 junge Kopten vom …