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„Jeder Mensch lächelt in derselben Sprache“

12. Oktober 2015

Die Gemeinschaft in Krakau wurde 2004 gegründet. Der 10. November war der offizielle Beginn der Gemeinschaft „Notre Dame de Sion“ in Krakau; das Datum steht in dem Begrüßungsschreiben von Krakaus Kardinal Franciszek Macharski. Sr. Ania (aus Polen) und Sr. Anne Denise (aus Frankreich) begannen den Aufbau der neuen Gemeinschaft in Krakau. Sie arbeiteten mit Christen, um ihnen auf verschiedene Weise die jüdischen Wurzeln des Christentums nahezubringen. Sie gestalteten spirituelle Einkehrtage im Zentrum für Dialog und Gebet in Auschwitz sowohl als auch in den verschiedenen Pfarren Polens. Auch im Gemeinschaftshaus gibt es regelmäßige Treffen. Sr. Ania lehrte 7 Jahre lang Religion in verschiedenen höheren Schulen Krakaus. Eine davon war eine Schule für eine protestantische Gemeinschaft. Das war eine Möglichkeit, die Arbeit mit jungen Menschen zu beginnen. Unsere Gemeinschaft ist auch eine Ausbildungsstätte für Sion. Einige Jahre lang war sie ein Noviziatshaus für die Europäische Region. Jetzt bietet sie zwei Novizinnen aus dem Noviziatshaus Jerusalem, Alejandra und Victoria, die Möglichkeit, Erfahrung in der Gemeinschaft zu sammeln. Wir, Alejandra (aus Guatemala) und Victoria (aus Ägypten), nehmen teil an der Arbeit, die die Gemeinschaft uns vorschlägt: „Der Wüstentag“ ist ein wöchentlicher Tag mit spirituellen Angeboten. Es ist ein Tag für das Gebet und zum Lesen der Bibel mit Kommentaren. Alle sind eingeladen, teilzunehmen. Auch macht Sr. Ania zweimal im Monat eine Bibelreflexion für Gruppen, mit den Elementen der Christlichen und Jüdischen Tradition. Die Bibelgruppen sind in unserer Gemeinschaft. Diese Treffen enden immer mit einer Gebetszeit in unserer Kapelle, die „Notre Dame de Sion“ gewidmet ist.

Sr. Ania geht jedes Jahr mit einer dominikanischen (das ist nämlich unsere Pfarre in Krakau) Wallfahrt nach Tschenstochau. Es ist eine 7 Tage dauernde Wallfahrt zu Fuß. Jeden Tag gibt Sr. Ania der Gruppe ein biblisches Kommentar, auf Grund der Lesung des Tages. Es können 2000 Menschen in der Gruppe sein, oder auch mehr. Heuer gingen Alejandra und ich mit ihr auf die Wallfahrt, und es war eine große Chance für uns, in einer Woche 200 km mit 2000 Menschen zu gehen. Wir gingen mit unseren Intentionen, und alle Menschen auf der Wallfahrt gingen auf Grund ihres Glaubens. Für mich war es eine erstaunliche Erfahrung, weil ich noch nie so viele Menschen auf einer Wallfahrt dieser Art sah. Sr. Ania nahm uns auch mit auf den polnischen Teil des Wallfahrtsweges nach Santiago de Compostela mit einigen ihrer Freunde, die uns einluden, mitzugehen; Sr. Ania gab uns jeden Tag einen Kommentar aus der Bibel. Das war unsere geistige Nahrung.
Sr. Ania hilft auch den jungen Menschen, die in Jerusalem und in Ägypten als Volontäre arbeiten wollen, über die Krakauer Website www.sion.pl. Jedes Jahr gibt es ein Treffen von Volontären, die schon dort gewesen sind, und das ergibt eine Chance zur Mitteilung von Erfahrungen. Wir hatten die Chance, viele von den Volontären, die in Ägypten und Jerusalem waren, zu treffen, und es war schön, einige wiederzusehen.

Sr. Anne Denise heißt Menschen willkommen, die Französisch lernen wollen, und macht Konversation mit ihren Studenten. Sie besucht auch behinderte Frauen in unsrem Bezirk Cichy Kacik. Sie gehört zum Finanzteam für die Europäische Region. Die Gemeinschaft ist auch Mitglied der polnischen Organisationen, deren Ziel der Dialog zwischen Christen und Juden ist. In Krakau ist das der „Allianz-Club“ (poln. Przymierze), und in Warschau der Polnische Rat von Christen und Juden (PRCHiŻ).

Alejandra und ich haben viel getan, seit wir hier sind. Wir besuchten ein Workshop in Auschwitz, um mehr über diesen Ort zu lernen. Er war international, und wir trafen viele junge Leute: es ist gut, dass es einige Jugendliche gibt, die sich für die Vergangenheit interessieren. Wir unterrichten auch unsere eigenen Sprachen: Alejandra lehrt Spanisch und ich unterrichte Arabisch in unserm Gemeinschaftshaus in Krakau. Wir nehmen auch teil an der Willkommensarbeit der Gemeinschaft, lassen die Gemeinschaft an unserer Erfahrung teilnehmen und helfen einander, in unserer Sicht auf Gott zu wachsen. Wir gehen oft am Sonntag in die Dominikanerkirche, denn das ist unsere Pfarrkirche in Krakau, aber von Zeit zu Zeit gehen wir auch zu einer Englischen Messe. Wir sind freiwillige Mitarbeiter im Galizienmuseum in Krakau und versuchen dort, einfache Programme für Kinder von 7 bis 9 Jahren zu machen, um Geschichte für sie einfacher verständlich und spannender zu machen. Wir haben auch Unterlagen vorbereitet für die Lehrer, die aus Jerusalem kommen, um polnische Lehrer zu treffen, mit dem Ziel, an dem Kurs teilzunehmen: wie können wir Holocaust den Kindern in der Schule vermitteln? Wir helfen bei der Vorbereitung der Unterlagen. Und wir bereiten Blumenzwiebel für alle Schulen in Polen und in der Ukraine vor.

Ich bin sehr glücklich, dass ich diese Erfahrungen hier in Europa machen konnte. Für mich ist es der erste Aufenthalt in einem Europäischen Land. Es war eine große Chance für mich, hier in dieser Gemeinschaft von „Notre Dame de Sion“ in Krakau zu sein. Ich genoss es, weil ich die Freundlichkeit der Schwestern erlebte, ihr Willkommen, ihre Offenheit und Treue zu Gott. Ich liebe die Menschen, weil sie immer bereit sind zu helfen, wenn man sie fragt. Zum Beispiel: wenn ich die Richtung zu dem Ort nicht weiß, wo ich hingehen will, und wenn ich um Hilfe bitte, verlassen sie ihr Haus oder Geschäft und zeigen mir den Weg. Das ganze Land hat genug Platz für Sport und grüne Gärten, Berge, Wälder mit sauberer Luft, schöne Häuser (besonders die Holzhäuser). Krakau ist eine wohlorganisierte Stadt.

Für mich ist es wirklich schwer, meine Gefühle auszudrücken, seit ich hier zu der Gemeinschaft kam. Die Schwestern hießen uns mit viel Freude und lächelnden Gesichtern willkommen. Sie sind sehr froh, fünf Monate lang mit uns zu sein. Wir haben viele Aktivitäten mit ihnen erlebt, innerhalb und außerhalb der Gemeinschaft. Ich habe gesehen, dass Gott in unserer Mitte ist: „Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen“ (Mt 18,20). Wir können miteinander leben, weil Gott in unserer Mitte ist. Ich habe viel Liebe und Zuwendung erhalten. Was ich in der Gemeinschaft immer wieder positiv erlebte, war die Art, wie wir immer eine Kerze während der Mahlzeit entzünden: Als Jesus ein andermal zu ihnen redete, sagte er: „Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, wird nicht in der Finsternis umhergehen, sondern wird das Licht des Lebens haben.“ (Joh. 8, 12) So verstehe ich, warum wir eine Kerze entzünden. So erinnern wir uns, dass Gott unser Licht ist und wir Licht sein sollen für andere. Es war eine große Erfahrung und ich lernte viel Neues und entdeckte viele Eigenschaften an mir selbst. Ich danke Gott für all meine verschiedenen Erfahrungen in Krakau. Dank an die Gemeinschaft „Notre Dame de Sion“ hier, und jeden einzelnen, den ich traf, und der mir unterwegs half.

Victoria Nobil
Novizin von Notre Dame de Sion